How to be real on social media, nowadays (muss englisch, sonst nicht fancy)

Letzte Woche war es mal wieder soweit. Ich habe mich verdreht. Ich meine jetzt nicht körperlich. Den Orthopäden brauchte ich nicht um einen Termin anbetteln. War mehr so eine innerliche Geschichte. Und die geht so: Um ein bissl was zu netwörken, habe ich mich angemeldet auf dieser einen Plattform, auf die dafür alle schwörn. Dazu muss man wissen – ich bin Mitte 40 und habe bewusst noch nie sowas betrieben. Kein Facebook-Profil, kein Insta-Account, und auch sonst nix, wo man dick aufträgt. Okay. Das entspricht nicht gaaanz der Wahrheit. Einmal hatte ich für ein paar Tage ein Profil auf Xing, weil ich dachte, das muss so nach dem Studium. Habe aber schnell gemerkt: nicht mein Ding. Dieses ganze Gepose war mir immer schon suspekt. Nun könnte man fragen: warum eigentlich? Was ist so verkehrt, sich ein bisschen in der Sonne zu aalen und dabei zu zeigen, wie klug man ist. Und auch witzig. Schön sowieso. Und erfolgreich! Also round about: just me!! Tja. Bei mir ist das so: wenn ich mir sowas reinziehe (und unweigerlich passiert das als Member im Club), werde ich ganz grau von innen. Also lass ich es lieber. Entspannt bin ich deshalb trotzdem nicht. Eher habe ich Schnappatmung. Weil: im Hintergrund geht der Affentanz weiter, ich weiß es ja, weshalb die Luft eng wird für uns Nicht-Affen. Trotzdem. Muss man da gleich so streng sein? Ist das nicht schon symptomatisch, diesen Schwanzvergleich, dem sich ja auch die ohne Schwanz auf ihre Art unterwerfen, so vehement abzulehnen? Gut möglich, dass ich ein toxisches (gähn!) Verhältnis dazu habe, wenn Menschen sich überhöhen: weil ich das selbst nicht kann. (Bu-hu!) Ich weigere mich dennoch, mir das als Ziel auf die Fahne zu schreiben. Aber ich möchte an dieser Stelle einmal nachfragen, in der Hoffnung, dass mir das doch noch jemand erklärt: warum ist es nur so verdammt wichtig, irgendwie besser zu sein? Besonderer als der Rest? Warum reicht es nicht mehr für ein gelungenes Leben, so durchschnittlich, mittelmäßig, und oh Gott! zweitklassig zu sein wie der Normalo an sich? Es ist ja so: weil alle so dick auftragen, ist das jetzt das neue Normal. Und da sehen die, die da nicht mitziehen, eben verdammt grau aus. Deshalb: Schnappatmung, Wut. Weil, ich sags mal ganz ehrlich: ich bin ziemlich normal. Nicht langweilig jetzt oder doof. Und auch nicht öder als der grobe Rest. Kann das eine ganz gut, und das andere eher nicht. So halt. Und wer will jetzt mit mir in einem Boot sitzen? Wer mir einen hippen Job geben? Genau. Und deshalb habe ich mich nun also angemeldet in der letzten Woche. Mich rausgeputzt und schön poliert und fleißig gelacht. Und mich dabei ganz falsch angefühlt. Verdreht eben. Einige finstere Tage später fiel es mir dann wieder ein: Nö. So muss ich ja gar nicht sein. Und vielleicht geht es ja vielen so. Aber warum machen dann so viele mit? Ich ahne es. Es kostet Mut, sich dagegenzustemmen. Denn man will ja gemocht werden. Dabei sein sowieso. Und gesehen werden, auch das. Aber könnte es nicht anders gehen? Statt Body-Postitivity schlage ich vor: Human-Normality, und zwar ganz in echt. Nur, ich bin mir fast sicher: auch das würde zu einer Pose verkommen. Gar nicht so leicht, authentisch zu sein und es zu bleiben. Sing mir ein Lied davon. Ich würde es hören wollen!

Lieder & kluge Ratschläge gern unter.. na, ihr wisst schon.