Das Wenige, was wir voneinander wissen
„Ich sitze da und kann mich nicht bewegen. Ich höre sie sprechen. Ich denke nichts. Erst recht stelle ich keine Fragen. Nicht damals, nicht in den Jahren danach. Erst heute. Zu spät.“
Zehn Jahre nach ihrem Tod versuche ich zu begreifen, wer meine Großmutter gewesen ist – und erkenne dabei, wie sehr das Ungesagte, das Nicht-Gefragte, das Ausklammern der Vergangenheit mein eigenes Denken und Fühlen geprägt haben.
Von der Bedingtheit des Schreibens
„Die Sorge um die Sätze“ – Wie schreibt sich Arbeit in Körper und Texte ein und was kommt nach der Erschöpfung?
Mit dieser Frage rief die Ulrike Crespo Foundation dazu auf, Beiträge für den WORTMELDUNGEN-Förderpreis für kritische Kurztexte einzureichen. Die Frage wurde von Josefine Soppa, Trägerin des WORTMELDUNGEN-Literaturpreises 2025, als Aufruf an Nachwuchsautor:innen formuliert.
Vater unser
Kurzprosa zum Thema Abschied
Shortlist für den Preis der Gruppe 48 für Prosa 2023
Publiziert in: Wunderwerk Text, Anthologie der Gruppe 48, 2023
Sweat, Baby, Sweat
Zum Aufguss „Balinesische Klänge“ ergattern wir zwei Plätze auf der obersten Stange. Wir richten uns ein und blicken gebannt zur Tür. Der Meister nähert sich mit Eimer und Kelle. Er hat einen wohldefinierten Köper und trägt, wie es sich gehört, Vollbart zu Man Bun. Hot, hot, hot in hotter Umgebung (90°). Dann fängt er an zu sprechen. Seine Stimme hat die Membran von feinkörnigem Schleifpapier. Er spricht so gewollt sanft und ausgesucht langsam, dass sich mir die restlichen Haare aufstellen, die ich vergessen habe abzurasieren. Auweia.
Achtsamkeitsdings
Ein Selbstversuch im Klarkommen
Vier Tage vor der Abreise werde ich unsicher. Gar nicht leicht, so eine Woche vor sich zu haben. Sich überhaupt auf den Weg zu machen. Alles, wirklich alles hinter sich zu lassen. Lächerlich! sagt Henrik, der Mann, mit dem ich verheiratet bin. Und weiter: Du fährst doch nur nach Berlin. 356 km Luftlinie. Wenn‘s hoch kommt vier Stunden Fahrt. Stimmt ja! winsel ich. Aber so lange am Stück, s i e b e n Tage und s i e b e n Nächte, im Grunde also zwei Wochen OHNE DIE KINDER. Was mach ich da bloß?!
How to be real on social media, nowadays (muss englisch, sonst nicht fancy)
Letzte Woche war es mal wieder soweit. Ich habe mich verdreht. Ich meine jetzt nicht körperlich. Den Orthopäden brauchte ich nicht um einen Termin anbetteln. War mehr so eine innerliche Geschichte. Und die geht so: Um ein bissl was zu netwörken, habe ich mich angemeldet auf dieser einen Plattform, auf die dafür alle schwörn. Dazu muss man wissen…
Gestrandet
Was dem einen sein Luxus-Resort, ist dem anderen sein Ballermann
Neben einem Tretboot im Sand posieren drei Mädchen für ihre Mutter. Alle drei tragen den gleichen Bikini und stehen wie die Orgelpfeifen, aber hintereinander. Sie lächeln hart und zeigen ihre Zahnlücken. Ohne dass die Mutter etwas sagen muss, schieben sie ihre Hüften in dieselbe Richtung und stützen eine Hand in die Taille. In der Kunst sagt man Kontrapost dazu. Na gut, ist ja nicht neu, dass das immer früher losgeht mit der Kunst. Frage mich, an welchen Orten der Welt diese Aufstellung bereits für Mutti dargeboten wurde? Neben dem Eifelturm? Vorm Kolosseum? Und nun in Grömitz.
Eben
Never change the running system
Nein, ich will mich nicht beschweren. Schließlich gehören wir zu den gut genug Betuchten, die sich ein bis zwei Mal pro Jahr einen Urlaub leisten. Wir haben weder ein Eigenheim noch einen teuren Wagen und sind auch sonst nicht besonders konsumorientiert. Und dann passt das. Jedenfalls bei uns. Danke. Ich will also wirklich nicht auf die Tränendrüse drücken an dieser Stelle. Es wäre absolut falsch, das von mir zu glauben.
Wurst und Ehre
Wie ich doch noch eine Fußballmuddi wurde
Die Spielerfrauen kommen vorbei. Sie haben ihre eigenen Trikots an: Bauchfreie Tops, kurze Shorts, zwei dünne, schnurrgerade geflochtene Zöpfe fallen ihnen über den Rücken. Eben noch tragen sie Lipgloss auf, dann werfen sie abschätzige Blick in Richtung Gegner. Ihre Gegner: das sind quasi alle außer der Heimmannschaft. Also echt viele. Stört sie aber nicht, sie wirken geübt im Schmale-Augen-Machen. Rein von der Höhe her würde ich sagen: die Mädchen sind 11, vielleicht 12. Kann aber auch sein, dass es sehr, sehr kleine 16jährige sind.
Work in Progress
Das Manuskript für meinen ersten Roman ist in Arbeit und Geduld nicht meine Stärke. Kleiner Teaser.